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Wenn schon schämen, dann richtig!

Ein Beitrag von Marco Helmert.Wenn schon schämen, dann richtig!

 

Die Bundestagswahl ist vorbei und ich bin immer wieder erstaunt, wie überrascht, entsetzt und ungläubig viele nun auf das Wahlergebnis der AfD schauen, als wäre es aus heiterem Himmel gekommen.

Im ersten Reflex wird sich jetzt viel distanziert, fremdgeschämt und eilig betont, wie weit weg doch der eigene Wohnsitz von der richtig braunen sächsischen Flanke gelegen ist.
Nun hat es mancher auch ganz eilig, das eigene Umfeld beispielsweise auf Facebook zu überprüfen, um Sympathisanten der „braunen Suppe“ aus den eigenen Freundeslisten zu tilgen und auch andere Freunde darauf hinzuweisen, wenn diese noch irgendwelche „von denen“ in ihren Listen haben. Man gehört ja schließlich zu den Guten und müsse nun Farbe bekennen.

Also schäm‘ dich Erzgebirge, schäm‘ dich Sachsen, schäm‘ dich Deutschland!!!

Mir ist dieses ganze Schämen und Fremdschämen im Moment ein wenig zu einseitig und ich möchte hiermit anregen, es noch etwas zu erweitern:

1. Lasst uns beschämt darüber sein, wie einseitig polarisierend die Debatten- und Kommunikationskultur in den letzten Jahren in unserem Land geworden ist, wo es gefühlt nur noch zwei Positionen gab, die man einnehmen konnte; entweder die politisch richtige,- korrekte und damit „gute“ oder eben die rückständige, ausgrenzende Position „der Menschen mit der Kälte im Herzen“, die Meinung der „Mischpoke“ und „des Packs“, die wie man uns immer wieder (bis heute) erklärte „nicht das Volk sind“. Obwohl „die“ stellenweise in einigen Wahlkreisen als klare Sieger hervorgingen.

Die politischen Entscheidungen der letzten Jahre waren und sind eben oft alternativlos, wie man uns ebenfalls nicht müde wird zu erzählen.
Berechtigte und unberechtigte Sorgen vieler Menschen holte man damit nicht ab, sondern labelte sie pro Forma erst einmal als „rechts“. Aus der Gruppenpsychologie- und dynamik wissen wir, dass wenn die Alpha Position innerhalb einer Gesellschaft schwierige und heikle Themen tabuisiert, verdrängt und auf „die“ also die Schmuddelkinder projeziert, sie damit immer diese Omega Positionen innerhalb einer Gesellschaft stärkt, wo dann das Tabu in potenzierter Form wieder aufersteht. Dort wo zum Beispiel Frau Merkel bemüht schien, bestimmte Fragen, Themen und Probleme ständig in beschwichtigend hypnotisierender Manier herunterzuregeln, wurden sie an anderer Stelle umso stärker in ekelerregender und abstoßender Form am Lautstärkeregler wieder aufgedreht. Wer nur ins Licht schauen will, den holt der schwarze Mann scheinbar von hinten. So gesehen rächt sich jetzt auch das ideologisch einseitige gezeichnete Bild des hilfebedürftigen Flüchtlings, was in der Realität eben auch andere Wahrheiten verdrängt hat. In meiner Beobachtung schienen dann selbst viele wirklich ehrlich bemühte Menschenfreunde und Humanisten genau den Rassismus, die Homophobie, die Entwertung Andersdenkender, das überholte Welt/Familienbild usw. welche sie mit dem Vergrößerungsglas bei „AfD und co.“ kinderleicht ausmachen können bei „den Flüchtlingen“ generell nicht mehr wahrnehmen zu können, selbst wenn er sie dort partiell auch hier und da regelrecht ansprang. Auch hier ist es für das Gefühl des eigenen „Gut-seins“ scheinbar entspannter, pauschal das Bild des hilfebedürftigen Flüchtlings im Vergrößerungsglas des eigenen Aufmerksamkeitsfilters zu haben, wie es für den anderen Pol immer wichtiger wurde, von marodierenden, plündernden und brandschatzend/vergewaltigenden Invasoren zu fantasieren. Die Wahrheit ist aber wie immer komplex und liegt wie so oft irgendwo dazwischen und ist von Fall zu Fall verschieden und damit auch verschieden zu betrachten. Da ich seit etlichen Jahren selbst Seminare zur kultursensiblen Betreuung und Integration von Patienten mit Migrationshintergrund gebe, kenne ich mich mit dem Islam und dem Islamismus auch ein wenig aus. und JA es gibt da schon AUCH ein anwachsendes Problem mit der Radikalisierung und dem Unterwerfungsanspruch der Ungläubigen, neben der AUCH zigfach friedlichen Varianten.
Wer derlei Themen aber in der jüngeren Vergangenheit differenziert ansprechen wollte, landete immer häufiger in der Schublade des „rechten Spektrums“, woraus ihn dann später durchaus AUCH die wahren Vertreter, die sich diesen Namen noch „redlich“ verdient haben, schon mit offenen Armen abholen und begrüßen wollten. Leider hat diese einseitige und ideologisierte Politik der letzten Jahre AUCH eine große Aktie am jetzigen Rechtsruck des Wahlverhaltens, weil sie das Thema Radikalisierung und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nur im rechten Spektrum wahrnehmen wollte und das Auftreten selbiger in anderen Spektren thematisch einzig der „AfD und co.“ überließ. Diese Politik übernahm nun natürlich auch unbewusst viele Menschen, die sich damit zu „den Anständigen“ zählen, eigene Schatten auf Kritiker projezieren, selbige pauschal labeln- und sich zumindest großräumig in der bereits erwähnten ideologisierten, realitätsfernen „wir schaffen das“ Instant-Integrations-Trance ent-differenzieren konnten.
Keinesfalls darf man den beschriebenen Mechanismus nun aber verallgemeinernd zur Entwertung und Bagatellisierung der vielen freiwilligen Flüchtlingshelfer verwenden, welche ankommenden Menschen beistehen und sie würdevoll und empathisch begleiten.

2. Möchte ich anregen, dass sich aktuell bitte nicht nur wegen der vielen AfD Wähler geschämt wird und ich frage mich, warum sich die fleißigen und eifrig postenden Fremdschämer von heute nicht in gleicher Lautstärke in dem letzten Jahren für die Politik der Etablierten geschämt haben.

Zum Beispiel für die Beteiligung Deutschlands an Kriegseinsätzen, die nicht vom Völkerrecht gedeckt waren, die aggressive Drohpolitik gegen Russland inkl. der Verletzung der Nato Russland Grundakte. Oder mit provokanten Nato Manövern, z.B.: an der Weichsel, wo sich im 2. Weltkrieg die Rote Armee erbitterte Panzerschlachten mit der Wehrmacht geliefert hat. Oder für die tausenden Drohnenmorde unschuldiger Zivilisten, von deutschen Boden über die US Drehscheibe in Ramstein aus gesteuert. Oder für die Erhöhung der Waffenexporte bspw. nach Saudi Arabien, welche oft genug zuletzt auch direkt beim IS gelandet sind. Oder für das Bagatellisieren und Kungeln mit den ukrainischen Nazis innerhalb dortiger Regierungskreise. Oder für das Weiterführen einer Geldsystem- und Wachstumswahnpolitik, die immer mehr Menschen in sozial bedenkliche Situationen getrieben- und damit die Schere zwischen arm und reich weiter geöffnet hat. An der Stelle hätte ich mir einige der heutigen Fremdschämer lautstark ihre Scham verkündend an die Seite gewünscht.

3. Schäme ich mich in Moment selbst massiv für die vielen Aufrufe angeblicher Demokraten und Menschenfreunde, die jetzt zu „seek and destroy“ aufrufen und AfD Sympathisanten in Freundeslisten ausfindig machen- und kennzeichnen wollen, laut und aggressiv und voller Hass gegen selbige vorgehen und sogar Labeling Mechanismen vorschlagen für die Kleidung von AfD Wählern, damit sie auch jeder gleich erkennen kann. Aufrufe, „denen“ keine Öffentlichkeit mehr zu geben und sie aus Gaststätten, Einrichtungen, beruflichen Kontexten usw. auszuschließen sind keine Seltenheit mehr. Frau Ditfurth bereut angesichts des Wahlausgangs ja schon, dass Dresden wieder aufgebaut worden ist und allzu oft wird dieser Tage zum Beispiel Sachsen auch populistisch einseitig pauschalisierend und undifferenziert in (braune) Sippenhaft genommen, von „Demokraten“ die anderen Ortes dann Schilder mit „weltoffen und tolerant“ und „kein Mensch ist illegal“ in die Luft halten. Der „braune Sachse“ ist nun scheinbar schon auch irgendwie illegal geworden, wie mir scheint. Bei all den Vorschlägen fehlt mir jetzt eigentlich nur noch der Slogan „kauft nicht bei AfD-Wählern“, dann wäre mein Fremdschämen perfekt.
All das ist nämlich AUCH gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, ihr lieben „Wahrer der Anständigkeit“ und wenn ihr es mit eurem Humanismus ernst meint, dann kann auch der AfD Wähler nicht illegal sein oder?

Nun werden neben dem Schämen außerdem auch wieder alle anderen bekannten Rezepte ausgegeben: Distanzieren, ignorieren, bekämpfen, Gegenkulturen aufbauen und die eigenen Argumentationsketten trainieren. Ab heute wird also wieder zurück-gejagd !!!
Hat in der Vergangenheit ja auch super funktioniert.

Auch für mich ist die AfD unwählbar gewesen, aber sie ist eben AUCH der Symptomträger einer irrealen, ideologisch, polarisierenden Kommunikationskultur unserer maroder werdenden Demokratie und sozialfeindlichen Gesellschaft geworden und hat damit gruppendynamisch als Omega wohl auch ihre Berechtigung. Jetzt wird man sehen, ob dieser tiefere Mechanismus durchschaut und aufgelöst werden kann und in allen Debatten wieder die Differenzierung Einzug hält oder ob es beim „weiter so“ bleibt.
Frau Merkel scheint den Mechanismus leider noch nicht zu verstehen und redet sich die Watsche bereits wieder als Sieg zurecht. Ein Herr Schulz ist mit seiner Absage an die GroKo da eventuell schon einen Schritt weiter bzw. näher am notwendigen Reset Knopf hin zu einer wirklichen Veränderung.

Ganzheitliche differenzierte Betrachtung aller Aspekte brauchen wir nun also um so dringender und wir müssen versuchen, alle Menschen dort abzuholen, wo sie sind, in ihrem jeweiligen Kontext, mit ihren jeweiligen Ängsten, denn hinter jedem Konstrukt – selbst dem rassistischen – steckt immer noch eines…..ein Mensch.

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Die Welt ist krank! Sie hat Neoliberalismus!

Worauf warten wir noch?

Ein Gastbeitrag von Thomas V Weiss.

Die Welt ist krank! Sie hat Neoliberalismus!
Die Welt ist krank! Sie hat Neoliberalismus!

Um es kurz zu machen (obwohl, es wird eh wieder elend lang), ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: Wir haben gewaltige Probleme. Na ja, das ist jetzt nicht so neu, aber nach dem gestrigen Wahlergebnis juckt es mich wieder mal förmlich in den Fingern, etwas dazu zu schreiben.

Wie fast überall, so hatte man auch in Frankreich wieder mal nur die Wahl zwischen einem neoliberalen, globalistischen Kandidaten und einer reaktionären, nationalistischen Gegenkandidatin. In den Zeitungen war heute zu lesen, der „Europafreund“ habe gewonnen und Europa könne aufatmen. Wenn’s doch nur so wäre. Macron ist genau so wenig ein „Europa-Freund“ wie Le Pen eine Freundin von Zuwanderung ist. Er ist auch nicht linksliberal, wie das gerne behauptet wird. Er ist Investmentbanker und dient dem Neoliberalismus, dem sich die EU verschrieben hat. Der Neoliberalismus zerstört Europa, die EU zerstört Europa. Leider glaubten aber wieder Viele, dass sie mit ihrer Stimme für Macron die rechte Bewegung verhindern könnten. Ein fataler Irrtum. Denn genau jene Politik, die er vertritt, ist der beste Nährboden für nationalistische Bewegungen. Man kann also getrost sagen, dass man mit seiner Stimme für Macron in Wahrheit die fremdenfeindliche Gegenpartei gewählt hat, nur etwas Zeit verzögert. Was ist das überhaupt für eine Politik, die sich fast nur noch auf das Verhindern anderer beschränkt?

Aber zurück zum eigentlichen Problem. Was ist überhaupt der Neoliberalismus? Er ist ein Gespenst, fast unsichtbar, eine Extremform des Kapitalismus. Er ist das System völlig freier Märkte, deren Dynamik als Naturgesetz gesehen wird. Es wird uns vorgespielt, wir lebten in Demokratien, was aber nicht der Fall ist, da es sich um Repräsentative Demokratien handelt, bei denen die gewählten oder auch nicht gewählten (z.B.: Kern) Politiker in aller Regel nicht uns, sondern den Oligarchen des globalisierten Finanzkapitals, wie Jean Ziegler sie nennt, dienen. Der Neoliberalismus nährt sich von Krisen und der Spruch sozialistischer Linker, der Kapitalismus brauche Krieg, ist nur zu wahr. Wir sehen das unter anderem an den militärischen Interventionen europäischer Staaten in anderen Ländern, in denen nicht, wie man vorgibt, Demokratie importiert wird, sondern Regime aus dem Weg geräumt werden, die bei der Ausschlachtung ihrer Länder durch Investoren nicht mitmachen wollen. Wollte man wirklich so lieb sein und Demokratie bringen, wäre das ohne Waffen ehrlicher und man würde vielleicht mit dem besten, ja allerbesten Bündnispartner Saudi Arabien, der Hochburg des Mordes und des staatlichen Verbrechens, beginnen. Aber Freunde vergrämt man nicht.
Der Neoliberalismus sorgt stetig für eine Umverteilung von Fleißig zu Reich und so ist es nicht verwunderlich, dass es nur noch 8 Personen sind, die so viel Kapital wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzen. Der freie, radikale Markt sorgt auch für das gleiche Resultat bei den Konzernen. Es sind 10 Konzerne, die 85% des weltweiten Lebensmittelhandels kontrollieren. Der Neoliberalismus ist die Triebfeder der Großkonzerne, der Banken, der Hedgefonds und der Investoren. Selbst die Medien folgen seinen Richtlinien und hüten sich davor, etwas über ihn Preis zu geben.

Wahrscheinlich ist es aber der größte Trick des Neoliberalismus, dass er den Menschen seiner eigenen Selbständigkeit und seiner grundlegenden Anlage seiner intrinsischen Kompetenzen beraubt hat. Er nimmt den Menschen die eigene Identität und ersetzt sie durch marktkonforme Anlagen. So glaubt man etwa, man wäre heutzutage frei wie nie, merkt dabei aber nicht, dass man Opfer des eigenen Konsums geworden ist. Man glaubt, beim Einkaufen eine schier unendlich große Auswahl zu haben, ist aber in einem Kontingent von Waren der größten Konzerne gefangen. Kleinbetriebe werden kaputt gemacht, Großkonzerne belässt man in Steueroasen und subventioniert sie. So wird auch die Maschinerie der Tierausbeutung subventioniert und die EU diskutiert gerade wieder über die Verlängerung der Zulassung für Glyphosat. Monsanto reibt sich die Hände und reicht als Draufgabe gleich die nächsten Patente auf Gemüsearten ein. Dass durch Glyphosat und Neonicotinoide die Insekten massenhaft sterben, stört doch weder eine EU noch einen Großkonzern wie Bayer/Monsanto. Ein befreundeter Konzern bastelt schon fleißig an Mikrodrohnen zur Bestäubung. Oder man setzt Menschen dafür ein, in China tut man das bereits. Nur am Rande: In manchen Gegenden Deutschlands sind die Insektenpopulationen in den letzten Jahren um bis zu 90% zurück gegangen und mit ihnen die Vögel. Wann sind wir dran?

Aber den Konsumenten im Tiefschlaf stört das nicht, solange er sein mit Chemie verseuchtes Schnitzel hat und sich sein tägliches, obligatorisches „Ey, du Schlampe, bleib stehen, isch red mit dir“ auf RTL 2 reinziehen kann. Panem et Circenses in Reinkultur. Auch das ist Neoliberalismus. Die Menschheit soll verblöden, sich gegenseitig in Schubladen stecken und sich hassen. Ja nicht um die Ursachen kümmern. Mit Rechts und Links ist man eh genug beschäftigt. Und dann gibt es da noch die Zuwanderer, über die man schön herziehen kann. Dass auch sie nur Opfer sind und sich gar nicht erst zu uns aufmachen würden, wenn Spekulanten nicht ihre Grundnahrungsmittel unleistbar machen würden und wir nicht unsere freundschaftlichen Waffenlieferungen an Länder wie Saudi Arabien tätigen würden, bleibt leider völlig im Hintergrund. Aber auch die Tiere sind im Neoliberalismus nichts anderes als Ware und die Methoden ihrer Ausbeutung nehmen immer perversere und grausamere Formen an.

Der Neoliberalismus bedient sich als Form des Kapitalismus der Wachstums- und Wettbewerbsökonomie. Dass diese aber, genau wie der Zinseszins, exponentiell verläuft, stört herzlich wenig. Wenn man mit dem Wachstum nicht nachkommt, werden neue Schulden gemacht, andere Länder ausgebeutet, Löhne gesenkt, Sozialleistungen abgebaut oder einfach neues Giralgeld gedruckt. Giralgeld macht ca. 97% des gesamten Geldes auf der Welt aus und wird meist in privaten Banken aus dem Nichts heraus geschaffen. Da aber natürlich die Zinsen nicht mit geschaffen werden, müssen diese in Form eines weiteres Kredites entstehen. Am Ende bauen sich Schuldenblasen auf, die zusammen mit den Spekulationsblasen ein verdammt explosives Gemisch ausmachen. Und hier sind wir wieder bei den Politikern. Nie sprechen sie diese fundamentale Problematik an und tun stattdessen so, als bräuchten wir nur mehr Wachstum und, na klar, Vertrauen. Weiteres Wachstum ist aber nicht mehr möglich und so ist der Crash vorprogrammiert. Je länger man ihn rauszögert, desto heftiger wird der Knall werden.

Ein weiteres gewaltiges Problem ist die Digitale Transformation, welche als nächste industrielle Revolution gefeiert wird. Wie die vorangehenden Revolutionen wird aber auch sie wieder nur die Reichen und Superreichen glücklich machen. Die große Masse darf sich dafür abrackern oder versinkt in Massenarbeitslosigkeit. Vor dem Aspekt der Überwachung oder gar der digitalen Versklavung hat unter anderem der Sozialpsychologe Harald Welzer mehrfach gewarnt. Wer meint, er habe in Anbetracht eines implantierten RFID-Chip nichts zu befürchten, da er ja nichts zu verbergen habe, wird spätestens dann seine Meinung ändern, wenn es kein Bargeld mehr gibt und eine Partei an der Macht ist, die er weniger bis gar nicht mag.

Wer noch immer nicht glaubt, dass das Gespenst des Neoliberalismus gefährlich ist, sollte sich mit den diversen Freihandelsabkommen mal näher befassen. Diese legen unter anderem fest, dass Konzerne, deren Vertreter anonym und immun bleiben, Staaten verklagen und über vielerlei in absolutistischer Manier diktieren können. Sie sind es, die im Neoliberalismus die absolute Macht haben. Sie und die Reichsten der Reichen, die sie steuern. Manche der Konzerne sind jetzt schon mächtiger und haben mehr Finanzkraft als so mancher mittelgroßer Staat. Wer es bis hierher durchgehalten hat, darf aufatmen. Ich schrieb ja bereits, dass es auch eine gute Nachricht gibt.

Anstatt sich weiter in Rechts-Links – Geplänkel zu verlieren, sollten wir endlich anfangen, Politik aus uns selbst heraus zu machen. Worte wie „Aber man kann doch eh nix ändern“ oder „Was soll ich allein schon tun können“ sind mittlerweile verstaubt und gehören in das hinterste Regal der Bibliothek der Ausreden. Es gibt so vieles, was wir tun können, um aus dieser Nummer raus zu kommen. Wir sind die 99%? Oder 95%? Egal!

Es ist schon sehr viel getan, wenn man auf das Auto verzichtet, wann immer das möglich ist. Tauschvereine, Sharingkonzepte und alternative Währungen gibt es mittlerweile viele, man muss sich nur ein wenig erkundigen. Subsistenzwirtschaft ist ein ganz wichtiger Faktor. Überall gibt es bereits Vereine, die in Form von Kooperativen eigenen Bioanbau betreiben. Der Bauer in der Umgebung hat vielleicht Kartoffeln, Zwiebeln und einen umwerfend guten (oder sauren) Wein. Ethikbanken sprießen wie Pilze aus dem Boden. Der kleine Bioladen oder Greißler freut sich bestimmt, wenn er dich wieder als Kunde gewinnt. Er hat es bitter nötig, denn er wird nicht subventioniert und hat keine Tochterfirma auf der Insel Jersey, wo man vergeblich nach Steuern sucht. Übrigens zahlen wir das, was den Staaten durch die Steuerflucht der Großkonzerne entgeht. Wir zahlen auch die Subventionen mit und auch die völlig unnötige Werbung. Weg vom Investorentum hin zu einer Postwachstums- und Gemeinwohlökonomie wäre ein weiterer erstrebenswerter Schritt. Es entstehen europaweit immer mehr Genossenschaften. Auch sie tun sich oft schwer, unterstützen wir sie. Reparieren wir unsere Sachen und schlagen wir so der geplanten Obsoleszenz ein Schnippchen. Treten wir einem der vielen Vereine bei, die Lebensmittel „retten“, die sonst weggeschmissen werden. Der Irrsinn ist ja eben, dass alle ärmer werden, gleichzeitig aber bis zur Hälfte aller Waren, einschließlich Lebensmittel, weggeschmissen werden. Setzen wir uns dafür ein, dass zum Beispiel überall Obstbäume und andere Nutzpflanzen statt Robinien und Platanen angepflanzt werden. Man stelle sich eine Großstadt vor, in der Menschen aller Kulturen draußen unterwegs sind und anstatt auf ihre Telefone zu starren, gemeinsam Obst ernten, welches gratis ist. Statt Werbeplakaten gäbe es Infos, wie man Obst für den Winter einmacht oder sonstwie konserviert. Schlecht für die Konzerne, gut für die Menschen. Organisieren wir Kultur- und Schüleraustausch mit anderen Ländern, anstatt diese als Feinde zu betrachten. Die Diplomatie und die Politik machen das nicht, wir können es. Auch ich war voriges Jahr in Russland, wo übrigens gefühlt jeder dritte Sender ein Disneychannel ist. Soviel zu der angeblichen „Abschottung“ dieses Landes. Das wichtigste kommt zum Schluss: Reden wir miteinander! Lassen wir es nicht zu, dass die Welt zu einem waffenstarrenden Ort verkommt, an dem sich alle nur noch unversöhnlich gegenüber stehen! Seien wir einfach Mensch und fangen wir endlich an, unseren Hintern zu bewegen, anstatt nur noch enttäuscht und voller Angst vor dem nächsten Tag im neoliberalen Tiefschlaf zu verharren!

Wir bedanken uns an den Autor für das Recht, diesen Beitrag veröffentlichen zu dürfen.

Original-Beitrag: https://www.facebook.com/thomas.weiss.39948/posts/1873212682916926

 

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Martin Schulz – Multimillionär und Teil der „Arbeiterklasse“?

Martin Schulz. Hoffnung oder Verblendung? Arbeiterpartei oder Freund des Kapitals? Wir haben für Euch ein paar Fakten:

Martin Schulz SPD
Martin Schulz SPD

Die SPD regiert in Niedersachsen seit 2013.
Ministerpräsident Stephan Weil sitzt natürlich im Aufsichtsrat von VW.
Wirtschaftsminister Olaf Lies sitzt natürlich im Aufsichtsrat von VW.
Nun bekommt Ex-VW-Chef Winterkorn seit 01.01.2017 seine wohl verdiente Betriebsrente von 3100 Euro – und zwar TÄGLICH! [1]
Christine Hohmann-Dennhardt, ehemaliges SPD-Mitglied und damals Justizministerin unter Hans Eichel (SPD) war 13 Monate tätig für Volkswagen.
Sie bekommt dafür eine Abfindung von 12 Millionen Euro, ab 2019 8000 Euro pro Monat als Gehaltszahlung [2].
Kanzlerkandidat Martin Schulz wirbt gern für Steuergerechtigkeit. Jedenfalls wenn die Fernsehkameras an sind. Es ist sein Wahlkampfthema. [3]
In Brüssel aber blockierte er die Aufklärung der Luxemburger Steueraffäre „LuxLeaks“. Das half Jean-Claude Juncker, seinem guten Freund. [4]
Martin Schulz sprach sich damals als EU Parlamentspräsident gegen den Untersuchungsausschuss aus [5].
2014 lag das Gesamtgehalt von Martin Schulz bei 324221 Euro, davon 225197 Euro steuerfrei. [6]
2014 bekam jeder EU Abgeordneter 304 Euro Tagegeld pro Anwesenheitstag steuerfrei (Verpflegung, Übernachtung). Einen Beleg für die Anwesenheit muss niemand einreichen.
Für den amtierenden Parlamentspräsidenten Martin Schulz (SPD) ergab sich so ein Zubrot von jährlich mehr als 200.000 Euro – steuerfrei. [7]
Martin Schulz dementiert diesen Fakt in einem ARD-Interview (Report Mainz). Später verzichtete er auf dieses Tagesgeld [8].
ABER nur vom 18. April bis 25. Mai. 2014 [9]

Der „Schutzpatron der keinen Leute“ ist für Leute mit kleinem Verstand!
Das waren nur ein paar Fakten. Hartz 4 und völkerrechtswidrige Kriege unter SPD fließen hier bewusst nicht ein.

[1] https://www.welt.de/wirtschaft/article160847361/Ex-VW-Chef-bekommt-3100-Euro-Betriebsrente-taeglich.html
[2] http://www.focus.de/politik/deutschland/millionen-fuer-vw-managerin-mit-segen-der-spd-druck-auf-schulz-und-spd-waechst_id_6599505.html
[3] http://www.handelsblatt.com/my/politik/deutschland/schulz-juncker-und-luxleaks-bodyguard-in-bruessel/19364262.html
[4] http://www.taz.de/!5021606/
[5] http://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Luxleaks-Affaere-EU-Parlament-will-keinen-Untersuchungsausschuss-id32908152.html
[6] http://www.bild.de/politik/ausland/gehalt/schulz-vs-lammert-gehaltsvergleich-der-praesidenten-36021460.bild.html
[7] http://www.handelsblatt.com/politik/international/ueppige-steuervorteile-spesenregelung-fuer-eu-abgeordnete-in-der-kritik/9889268.html
[8] https://youtu.be/XvsRNF1ynt0
[9] http://www.focus.de/politik/deutschland/geht-um-deutlich-mehr-als-100-000-euro-nach-debatte-um-parlaments-tagegelder-schulz-legt-belege-offen_id_6611520.html

 

 

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Obama ist das ideale Beispiel für die perfekte Verpackung eines kaputten Produkts

Ein Gastbeitrag von Willy Karma

obama

Ja, auch ich war damals glücklich und gerührt. Der erste schwarze Präsident. Ein anständiger, sympathischer Typ. Friedensnobelpreis. Und nun, kurz vor Ende seiner Amtszeit, zeigt er sein wahres Gesicht und stationiert Militärs an der russischen Grenze… mit dem WISSEN, dass dies höchstwahrscheinlich in zwei Wochen eh rückgängig gemacht wird. Das ist doch kein friedlicher Staatsmann. Das ist ein eingeschnappter Provokateur. Und kommt mir nicht mit „Anti-USA“.
Nicht mit mir…
Ich liebe die USA. Oder besser: das „Konzept“ USA. Ich ging dort in den Kindergarten. Verbrachte 13 Jahre auf einer deutsch-amerikanischen Schule. Chillte mit Kindern von US-Soldaten. Verkleidete mich an Halloween, als das in Deutschland noch eine unverständliche Buchstabenkette war (Hallo, was?).
Es MUSS – auch in unserer überpolitisierten, unterbelichteten Gesellschaft – möglich sein, frei und offen zu sagen, was man über die aktuelle Politik eines Landes denkt, OHNE in eine vorkonstruierte Ecke geschoben zu werden.
Dasselbe gilt auch für die Politik Israels. Und kommt mir nicht mit „Anti-Israel“. Ich liebe Israel. Ich bin dort geboren. Meine halbe Familie lebt dort. Es ist das schönste Land der Welt für mich und ich liebe seine Menschen, ihre Kultur und Wärme. Genauso liebe ich die Kultur und Wärme der Palästinenser. Was für ein Glück, dass das Schicksal es mir vergönnte, Freundschaft mit einigen zu schließen. Ich kann unmöglich meine Augen vor der Tatsache verschließen, dass diese Menschen wie VIEH gehalten werden. Und israelische Siedlungen bewusst und grob gegen internationales Recht verstoßen. Das hat längst nichts mehr mit Sicherheit zu tun. Das ist Größenwahn. Und die Hälfte der Israelis denkt genauso. Nur „wir“ hier im sicheren West-Europa brüllen herzlose Parolen wie „Verteidigung! Alles Verteidigung! Es gibt kein Palästina!“ Das ist kein Patriotismus, das ist eine kollektive Psychose. Und mir liegt das Leben ALLER Menschen in dieser Region am Herzen, nicht nur derer mit dem richtigen Pass. Also nennt mich nicht Israel-Feind.
Und nun stehen Panzer vor Russland, wie 1940… und es ist okay. Weil Putin ein Despot ist und sich angeblich in US-Server reinschnüffelt? Und nennt mich nicht „Putin-Versteher“. Ich habe den Mann noch nie getroffen, wie soll ich ihn verstehen? Und nennt mich auch nicht „Russland-Freund“. Mein Vater war 12 Jahre in einem sibirischen Gulag zur Zwangsarbeit inhaftiert. Seine Eltern starben bereits nach wenigen Wochen und auch viele seiner Freunde verhungerten, erfroren oder verendeten elendig. Ein Wunder, dass er – dank seiner Kraft und Jugend – überlebte und – trotz aller Traumata und einer gestohlenen Dekade seines Lebens – zu meinem liebenden Vater wurde… und viele Jahre später in FREIHEIT, nicht in Gefangenschaft sterben durfte. Also, nennt mich nicht „Russland-Freund“. Und nennt mich auch nicht „Russland-Feind“. Meine Eltern wuchsen beide in der Sowjetunion auf, bei uns zu Hause wurden die russischen Meister gelesen, gehört und betrachtet. Es sind großzügige, bedachte, ehrliche Menschen. Und darunter auch Ganoven, Lügner und Trolle. So wie auch bei uns. So wie überall. Also nennt mich nicht Russland-Feind.
Hört auf damit, Menschen in Schubladen zu stecken. Die einzigen, die davon profitieren, sind Zähler, Ordner, Verkäufer und Führer. Wir haben keine Vornamen, damit wir zu anonymen Elementen in kollektiven Zuordnungskonstrukten werden. Denn genau das passiert gerade hier in unserem Land. Jeder ist plötzlich „irgendwas“. Typisch deutsch. Und nennt mich nicht „Deutschland-Feind“. Nicht mich. Ich bin hier aufgewachsen und schätze so vieles an dieser Kultur. Die deutsche Sprache ist die Sprache meiner Kunst und ich trage Hoffnung in mir, dass dieses Land nach der Katastrophe vor 80 Jahren noch den richtigen Weg geht. Also nennt mich nicht Deutschland-Feind.
Nennt mich nicht Veganer, weil mir das Wohl von unschuldigen Tieren am Herzen liegt. Nennt mich nicht links-liberal, weil ich mich für Homosexuelle einsetze. Nennt mich nicht Verschwörungstheoretiker, weil ich die Musik von Xavier Naidoo genieße. Nennt mich nicht Öko, weil ich endlich auf allen Dächern Solarpanels sehen will. Nennt mich nicht Kommunist, weil ich die absurden Verwirrungen des Turbokapitalismus nicht feiere. Nennt mich nicht Gutmensch, weil es mir VERF*CKT egal ist, was für eine Handymarke Flüchtlinge besitzen. Nennt mich nicht Eso, weil ich zum Universum bete. Und nicht „Nerd“, weil… Gründe gäbe es genug 🙂
Wisst ihr was? Nennt mich doch einfach Willy. Das ist mein Name. Ich bin die Schnittstelle zwischen multiplen Konflikten auf dieser Welt. Deutschland, Russland, USA, Israel. Beide Eltern Flüchtlinge – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich trage ALLES in mir. Ich kenne kein Vaterland. Ich kannte und liebte meinen Vater. Ich kenne keine Muttersprache. Ich kenne und liebe meine Mutter. Ich kenne keinen Bruderkuss. Ich kenne und liebe meine Schwester. Kein Land, kein Staat, kein Glaube, keine Ideologie, keine Hautfarbe, keine Gruppe, keine Einstellung hat bei mir eine Grundsympathie. Jeder Mensch muss mich VON SICH aus überzeugen, so wie ich es auch tun muss. Und ich kann auch jemanden lieben, der NICHT so denkt und fühlt wie ich selbst.
Und nennt mich nicht Welt-Feind, nur weil ich nicht nach den aufoktroyierten Regeln des Hasses, der Spaltung und der Zugehörigkeit spiele. Denn ich liebe diese Welt.
 Danke.

Facebook Seite von Willy Karma:
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Gedanken zur Präsidentschaftswahl in den USA

Hillary Clinton und Donald Trump

Ein Gastbeitrag von Thomas V Weiss.

Nun steht es fest, Donald Trump ist neuer US-Präsident. Einen Hetzer, einen Rechtspopulisten, einen Rassisten und einen Sexisten nennt man ihn. Unberechenbar sei er und in der Tat hat dieser Mann während des Wahlkampfes Aussagen getätigt, welche bestätigen, dass er einer ist, dessen Ideen man in der Realität zum Großteil lieber nicht umgesetzt haben möchte. Was er etwa über die Mexikaner, aber auch über Menschen islamischen Glaubens daher geredet hat, ist zum Teil echt verachtenswert. Auch in anderen Punkten zeigt er deutlich, dass er ausgrenzende und stellenweise rassistische Politik betreibt. Alles in allem also ein Präsident, den ich für meinen Teil niemals wählen würde.

Nun verhalten sich die Dinge aber selten so, wie sie auf den ersten Blick erscheinen und ist niemand nur gut oder schlecht. Das gilt auch für Trump. Um zu erkennen, wie er es so weit schaffen konnte, muss man tiefer in die Politik und die sozialen Strukturen seines Landes blicken. In den USA gibt es bereits mehr als 40 Millionen Arme, Tendenz steigend. Viele Familien sind derart arm, dass sie ihre toten Angehörigen auf die Straße legen, weil sie sich ein Begräbnis nicht leisten können. Manche haben wirklich gar nichts mehr. Sie besitzen weder ein Heim noch können sie sich ärztliche Versorgung leisten. In diesem Kontext ist die Verzweiflung der Menschen zu sehen, einen Donald Trump zu wählen. Er verspricht Veränderung. Außenpolitisch könnte er deshalb einen Lichtblick darstellen, weil er die Nato kritisch sieht und sie abspecken möchte, aber auch, weil er die Freihandelsabkommen nicht unterstützen und vor allem weil er bessere Beziehungen zu Russland haben möchte. Sollte ihm das Gelingen, wäre das sicher gut. Die Bedenken transatlantischer Bündnisvertreter, Russland könnte eine Schwäche Amerikas ausnutzen und sich aggressiv gegenüber Nachbarstaaten verhalten ist billigste Natopropaganda und in keiner Weise haltbar.

Nun wird Trump gerne als Rechtspopulist und hasserfüllter Demagoge dargestellt, während Clinton gerne als besonnen und liberal verkauft wird. Also rechts gegen links, böse gegen gut. Wenn es nur so einfach wäre. Die Politik erscheint weltweit zunehmend verworrener und chaotischer. Bei genauerem Hinsehen aber kommt man schnell zu dem Schluss, dass das kolportierte Bild so nicht stimmt. Während ein Bernie Sanders gewiss ein Segen für Amerika und die ganze Welt gewesen wäre, glänzt Clinton nicht mehr so sehr, wenn man mal an der Oberfläche kratzt. Ist Trump ein Demagoge, muss man Clinton eine Demiurgin nennen, eine Weltordnungsschafferin, die in den letzten Jahren bewiesen hat, wozu sie fähig ist und wofür sie steht. Ihren eigenen Aussagen und diversen Enthüllungen (Wikileaks) zufolge ist diese Frau direkt oder indirekt verantwortlich für den Tod von vielen tausend Menschen, wie etwa in Libyen oder im Nahen Osten. Auch hat sie deutlich gemacht, wie sie als Präsidentin mit Syrien, dem Iran und Russland umgehen würde. Szenarien, welche die düstere Vorahnung an einen dritten Weltkrieg aufkommen lassen. Sie wäre für den Militärisch-Industriellen Komplex die beste Wahl gewesen.

Ich möchte überhaupt all jenen, die Trumps Politik und Ansichten (meist zurecht) als gefährlich und rassistisch verurteilen nur raten, sich einmal mit den Auswirkungen der herkömmlichen US-/Nato- und EU-Politik zu befassen. Es ist kaum in Worte zu fassen, was diese Politik seit Jahrzehnten auf der Welt anrichtet. Nicht nur, dass die Menschen in den USA und Europa immer mehr in die Armut und die Herrschaft der Banken und Konzerne getrieben werden, auch die noch viel ärmeren Menschen aus Entwicklungsländern werden schonungslos ausgebeutet, sei es durch Krieg, sei es durch Spekulationen auf Nahrungsmittel und ähnliches. Wenn ein Mann wie Obama, dessen Politik fast tägliche Drohnenangriffe auf Menschen beinhaltet, den Friedensnobelpreis erhält, stimmt gewaltig was nicht. Am Ende erscheint das Bringen „westlicher Werte“ als unglaublich zynisches und blutiges Märchen. Die USA bringen keine Werte, sie holen sie sich. Übrig bleiben „Failed States“, die man weiter bis auf die Knochen aussaugt.

Leider sind sich die wenigsten Menschen über die wahren Ursachen all unserer Probleme bewusst. Die beiden Schlagwörter hierfür sind Imperialismus und Neoliberalismus. Der Imperialismus ist ein bekanntes Phänomen, welches die ganze Geschichte hindurch in wechselnden Rollen immer wieder größtes Unheil angerichtet hat. Die USA handeln imperialistisch, es geht im Prinzip um die Weltherrschaft, genannt Hegemonie oder „New World Order“. Das zweite Phänomen ist weit weniger bekannt und fast unsichtbar – der Neoliberalismus. Als extrem aggressive Form des Kapitalismus hat sich dieses System den Imperialismus als Methode einverleibt und zieht eine tödliche Spur durch die Welt. Es geht nicht mehr so sehr um ein großes Amerika als Staat, es geht um das Überleben und die weltweite Umsetzung dieses Systems auf der ganzen Welt. Freihandelsabkommen, Privatisierungen und Schulden sind klassische Symptome und Werkzeuge für diesen Wahnsinn. Die USA haben ihre Rolle als Produktionsland weitgehend verloren zugunsten einer Dienstleistungs- und Spekulationsökonomie. Wenn Vorstände von Hedgefonds im Monat viele Millionen Dollar machen, während Menschen in Zeltstädten verkommen, läuft gewaltig was falsch. Trump, um nochmal auf ihn zurück zu kommen, wird an den Problemen in Sachen Finanz und Ökonomie nicht wirklich was ändern können, weil man schon zu tief in der Schulden- und Wachstumsspirale gefangen ist. Weder mit Einsparungen, noch mit Investitionen wird er was ändern. Das System, welches ständiges Wachstum braucht, wird fast nur noch mit günstigen Krediten, das heißt Schulden, am Laufen erhalten. Schulden, die man immer erhöhen muss. Zinseszinsen sind genau so wie die Wachstumsnotwendigkeit exponentiell und daher auf Dauer nicht zu zahlen bzw. zu erhalten. Die Lösung dieser Probleme liegt gewiss nicht im Wählen eines Mannes, der Zuwanderern oder anderen Kulturen die Schuld für vieles gibt, aber auch nicht in der Wahl einer Dame, welche eine militärische Expansion zur Aufrechterhaltung des Komapatienten Neoliberalismus als Notwendigkeit sieht. Die Lösung könnte aus dem Volk kommen, aus einem veränderten Konsumverhalten und aus einer Verweigerung der ständig neu geforderten Distanzierung zu anderen Menschen und aus dem Ende des gleichzeitig wachsenden Hasses. Die Lösung wäre das Beenden des Kapitalismus, also des amerikanischen Traumes schlechthin. Und ob das die Menschen jemals verstehen und einsehen werden, steht in den Sternen, genau so wie das Verhalten eines Präsidenten, der für manche das kleinere, für andere das größere Übel, auf jeden Fall aber ein Übel ist.

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Die Gräben werden tiefer! Dann müssen die Lösungen es auch werden!

Tag der Deutschen Einheit - Proteste in Dresden (03.10.2016)

Die Gräben werden tiefer! Dann müssen die Lösungen es auch werden!

Von Marco Helmert

Das, was sich gestern in Dresden in Form von teilweise offenen Hass über die anwesenden Politiker anlässlich der Feierlichkeiten zur Wiedervereinigung ergossen hat, waren wahrlich keine erfreulichen Bilder, doch es wäre viel zu kurz gegriffen, dies jetzt wieder als sächsisches Sonderproblem bagatellisieren und erklären zu wollen.

Im Gegenteil, ich finde es symptomatisch für das Phänomen immer tiefer werdender Gräben zwischen der „alternativlosen“ Politik auf der einen – und immer größer werdenden Gruppen von Menschen, die ihre Unmut nur noch so ausdrücken wollen, auf der anderen Seite.
Und auch letztere findet man innerhalb verschiedenster Lager nun immer häufiger.

Solche Bilder wie in Dresden und in Sebnitz sind auf Dauer unerträglich und ich wünsche mir eine andere Art des Zusammenlebens, Debattierens und „in Kontakt seins“ und ich spüre auch, dass die derzeit vorherrschende brodelnde Wut ein wahres Pulverfass für die Zivilgesellschaft ist.

Was machen wir jetzt damit? Die Strategie des Ignorierens, Bagatellisierens, Schuldzuweisens, Labelns und Ausgrenzens kann getrost als gescheitert betrachtet werden und das sollten die aktuellen Wahlergebnisse auch eindrucksvoll unterstrichen haben.

Dresden gestern war vielleicht auch ein weiterer Vorgeschmack, in welche Richtung es geht, wenn nicht bald andere Lösungsansätze als die bisherigen versucht werden.

Auf der einen Seite aufgeladene, voller Wut brüllende Protestler, auf der anderen Seite irgendwie entrückt wirkende Politiker, die auf die Szenerien schauen, als wären sie auf einem Zoobesuch, sich nun wundernd Respekt und Dialog einfordern, nachdem sie jahrelang zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung den Umgang mit Pegida und AfD tabuisiert, dämonisiert und viele Menschen (die zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht radikalisiert waren) pauschal mit in eine „dunkeldeutsche“ Naziecke gestellt haben. Viele haben vor dieser undifferenzierten Vorgehensweise gewarnt – nicht zuletzt der Psychoanalytiker Dr. Hans-Joachim Maaz.

Nun haben wir langsam immer stärker werdende aufgeladene Pole und gruppenbezogen menschenfeindliche Projektionen und das möchte ich betonen, nicht nur auf einer Seite!

Immer leichter werden nun je nach Standordbestimmung pauschal die Labels verteilt und dabei ist es egal, ob es sich hierbei um „Gutmenschen“, „die Sachsen“ , „Systemlinge“, „dumme Kälber“, „Pegidianer“, „braune Mischpoke“ , „linksgrün Versiffte“, „Schlafschafe“, „Lügenpresse“ , „Putinversteher“, „die Querfront“, „Verschwörungstheoretiker“ oder „Volksverräter“ handelt.

Immer klebt zum Schluss das Label drauf und die jeweilige Gruppe ist dann in einer Schublade, ohne jede Differenzierung oder der Notwendigkeit eines Dialoges. Wozu auch? Der Titel erklärt doch den Inhalt, wozu also noch das Buch lesen?

Was unserer Gesellschaft im Moment wirklich fehlt, ist zum einen eine ausbalancierte Differenzierung, zum anderen eine Dialogbereitschaft und das wirkliche Analysieren von Ursachen. Also zum Beispiel das Ernstnehmen von verschiedenen Ängsten und den tieferen dahinterliegenden Bedürfnissen. Ein erstes zartes Pflänzchen in eine solche Richtung ist zum Beispiel der Bürgerdialog in der Dresdner Kreuzkirche und weitere Initiativen verschiedener Menschen aller Couleur. Auch ich versuche mit der gemeinsam mit Tom Küchler entwickelten WOWAHA (Lakota – Frieden) Strategie Dialogbrücken zur Deeskalation zu bauen, um ein immer größer werdendes Aufheizen wieder etwas abzuschwächen.

Allerdings ist dies der steinige und schwierigere Weg und es werden auch viele dieser mahnenden und Dialog suchenden Pflänzchen von verschiedenen Zeitgenossen gleich wieder plattgefahren, zu tief sind die Gräben inzwischen, zu groß ist der einseitige Positionierungsdruck und die Konstrukte der Pauschalisierung und Dämonisierung der letzten Monate geworden.

Und das macht Angst und es fälllt schwer, hier immer optimistisch zu bleiben.
Ich kenne inzwischen viele ganz normale und unpolitische Menschen, die aufgrund der spürbaren Anspannungen mittlerweile Angst vor einem drohenden Bürgerkrieg haben.

Und statt vielfältigen politischen Pluralismus mit seinen bunten und vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten müssen wir im Moment aufpassen, nicht nur eine „alternativlose“ politisch korrekte Einheitsmeinung auf der einen- und eine dagegen anrennende extreme Gegenpolarisierung auf der anderen Seite zu kreieren, die dann ganz gewiss auch nicht als wirkliche Alternative für Deutschland taugt.

In der gesellschaftlichen Kultur wird nach wie vor immer häufiger lieber ausgegrenzt, abgespalten, distanziert, unterstellt und pauschalisiert, Unternehmen erteilen ihren Mitarbeitern Kritikverbote und wehe dir, du hast „den Falschen“ in deiner Freundesliste.

Unsere so hochgehaltene Meinungsfreiheit ist in der Wahrnehmung vieler Menschen „in praxi“ zu einer Farce verkommen.

Im Internet tummeln sich im Moment einerseits unerträglich viele Hasspostings, die Grenzen schon lange überschritten haben, viele Kommentare sind einfach nur noch menschenunwürdig.
Und es scheint andererseits mittlerweile auch schon Volkssport geworden zu sein, dass selbsternannte Demokratiebeschützer und Gutachter Profile nach verdächtigen Links, verdächtigen Freundeslisten, Unregelmäßigkeiten, „politikal incorrectness“ absuchen und nach eigenem Gusto- und Gutdünken Urteile verhängen, anschwärzen und diffamieren ohne jemals das Gespräch zu den betreffenden Personen gesucht zu haben – oder den Kontext erfahren- und verstehen zu wollen. Da wird schon mal mit viel Leidenschaft eine Timeline auf Jahre zurückverfolgt, Hauptsache man wird fündig: Treffer – versenkt! Chronologisch spätere Veränderungen der gefundenen Aussagen, aus dem Kontext gerissene Aussagen oder gar Unwahrheiten? Egal!
Hauptsache fündig geworden! Und außerdem: Einmal böse, immer böse! Und wer Brücken bauen will, ist immer Querfront, denn mit „den Rechten“ redet man nicht! Dies schreibe man sich mal ganz schnell hinter die Ohren!

Stasi reloaded!

Sind wir schon wieder mal soweit?

Dialog? Nein !!!!
Schreien auch jetzt noch viele. Nicht, dass hier noch einer zum „Wutbürgerversteher“ wird. Die vorgeschlagenen „Rezepte“ statt dessen Knüppel, Abgrenzung, Abspaltung und nur noch Gegenkulturen!!! „Gegen“ und ganz viel „Anti“ und das leider wieder überall je nach Standortbestimmung.

Und dass sich hier gar keiner ausgenommen fühlt! Ich meine uns alle!
Denn es geht uns alle an!

Was für wunderschöne Schlagschatten wir gerade wieder produzieren, welch emotionale Pestilenz, des „besseren, reineren, klügeren Menschen“ . Wilhelm Reichs „Christusmord“ und Orwells „1984“ lassen grüßen und es gelingt mir gerade nicht, zu verhindern, in Zynismus zu verfallen!

Also dann:

Auf welcher Seite des Grabens stehst du?

Schwarz oder weiß?

Rechts oder links?

Gut oder böse?

Es gibt kein dazwischen!

Also entscheide dich!

Und wenn du dich entschieden hast, dann greife zur Waffe! Die Reihen fest geschlossen!

Denn die feindliche Gruppe ist dann klar definiert! Pack das Label drauf und drück ab!

Oder lieber doch nicht?
Dann nimm die Hand vom Abzug!
Denn die Hand des Friedens ist immer die offene Hand des Dialoges! Fangen wir endlich damit an! Auf allen Ebenen und durch unsere eigenen Schatten hindurch!

#EingeschenktTVArtikel
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Die Farce von New York – 120000 Wahlberechtigte vermisst

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Wahlbetrug, oder versehentliche Unregelmäßigkeiten?

Von Marco Helmert

Nun hat also New York gewählt und bei den Demokraten setzte sich Hillary Clinton klar mit 57,9% vor Bernie Sanders mit 42,1% durch. Dies entspricht damit einer Delegiertenverteilung von 139 für Clinton und 108 für Sanders.
Unsere großen Leitmedien berichten nunmehr auch unisono vom großen Clinton und Trump Erfolg:

Da wird von „Triumph“ gesprochen und von „aus der Arena gefegten Rivalen“
http://mobil.n-tv.de/…/Clinton-und-Trump-triumphieren-artic…

Wahlprobleme? Fehlanzeige!

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